Rottenburger Integrationsbeirat unterstützt Petition zur Einführung herkunftssprachlichen Unterrichts in staatlicher Verantwortung

Rottenburg, 06.02.2020

Der Integrationsbeirat Rottenburg an seiner Sitzung am 05.02.2020
/v.li n.re.: Nedžad Šahovič, Fatima Kahrimanovic, Hatice Yildirim, Snezana Volodjko, Reinhold Baur, Ursula Clauß, Hidayet Uslu, Irina Abb, Gabriele Mauthe, Nadeschda A. Rudenko, Agnieska Löffler, Susanne Anane, Bürgermeister Hendrik Bednarz)

Das Bündnis aus SPD-Landtagsfraktion, Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), dem Heidelberger Zentrum für Migrationsforschung und dem Landesverband der kommunalen Migrantenvertretungen (LAKA BW) fordert die Einführung von herkunftssprachlichem Unterricht in staatlicher Verantwortung an Schulen in Baden-Württemberg.

mdz: Bisher wird herkunftssprachlicher Unterricht, also zusätzlicher Unterricht in
der Herkunftssprache, von den jeweiligen Konsulaten organisiert. Es gibt jedoch
noch zu wenig Koordination mit dem Unterricht der regulären staatlichen Schulen.
Die Petition eines Aktionsbündnisses an den baden-württembergischen
Landtag fordert die Einführung eines regulären Sprachunterrichts „als gleichwertiges
Unterrichtsfach“ an staatlichen Schulen „mit einer Öffnung für alle
Schüler und einer entsprechenden Lehramtsausbildung“. Die konkretere Ausformulierung des Landesverbandes der kommunalen Migrantenvertretungen
(Laka),
also des Dachverbandes der Integrationsbeiräte, unterstützt diese Petition,
spricht jedoch zunächst einmal nur von „Modellversuchen an einigen Schulen“.
Fatima Kahrimanovic berichtete in der Sitzung des Integrationsbeirats am Mittwoch
von einigen Verbesserungen bei der Koordination von staatlichem und
herkunftssprachlichem Unterricht. So habe der Eintrag des Besuchs des bosnischen
Unterrichts in das reguläre Zeugnis bei allen Familien aus ihrem Bekanntenkreis
funktioniert. Von der neu angebotenen „Zertifikatsprüfung der Herkunftssprache
auf A2-Niveau“ habe sich von den Bosniern aus Rottenburg noch
niemand angemeldet, weil deren Kinder noch zu jung seien. Irina Abb erzählte,
dass es in anderen Städten Baden-Württembergs bereits Schulen gebe, die in Eigenregie Russisch-Arbeitsgemeinschaften anbieten. Dies zeige, dass auch die
Schulen Angebote machen könnten, bevor ein Beschluss der Landesregierung
vorliege.
Bürgermeister Hendrik Bednarz warnte davor „den schwarzen Peter bei den
Schulen abzuladen.“ Den Schulunterricht sehe er immer noch hauptsächlich als
Landesaufgabe. Hidayet Uslu bemängelte, dass man zwar die Sicht der LAKA gehört
habe. Er müsse sich aber auch die Position des Kultusministeriums anhören
und könne erst dann entscheiden. Letztlich unterstützte das Gremium die
Petition einstimmig mit der Enthaltung Mutlus. Bednarz kündigte an, dass die Stadt zum herkunftssprachlichen Unterricht in Ergenzingen eine Podiumsdiskussion veranstalten werde. Hierzu forderte er die Migrantenvertreter auf, auch die Lehrer der herkunftssprachlichen Schulen einzuladen.
Bei dieser Veranstaltung soll dann erneut für die Petition geworben
werden.

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